Der Streit um eine mögliche Rückkehr Russlands auf die internationale Eishockey-Bühne spitzt sich weiter zu. Nach dem CAS-Urteil will der Weltverband IIHF nun alle Möglichkeiten prüfen. Gleichzeitig wächst der Widerstand: Mehrere Topnationen drohen mit einem Boykott, Sponsoren stellen ihr Engagement infrage und auch die Austragung der WM 2027 in Deutschland steht auf dem Spiel. Für Belarus gibt es hingegen eine klare Entscheidung.
Die Zukunft der Eishockey-Weltmeisterschaft 2027 ist weiterhin ungewiss. Nachdem der Internationale Sportgerichtshof (CAS) Ende Oktober die Sperre russischer Teams für die Saison 2026/27 aufgehoben hatte, steht der Weltverband IIHF unter zunehmendem Druck. Nun hat sich die Organisation nach tagelangen Beratungen erneut zu Wort gemeldet – und kündigt an, „alle verfügbaren Optionen“ für das weitere Vorgehen zu prüfen.
Obwohl die IIHF weiterhin an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem CAS-Urteil festhält, will sie die daraus notwendigen Schritte einleiten. Dazu sollen Gespräche mit allen betroffenen nationalen Verbänden geführt werden, ausdrücklich auch mit dem russischen Eishockeyverband. Ziel sei es, einen konstruktiven Weg zu finden, der den Interessen des internationalen Eishockeys gerecht werde.
Dabei verweist die IIHF auch auf die finanzielle Stabilität des Verbandes sowie die langfristige Zukunft des Sports. Es gelte, die internationalen Wettbewerbe zu erhalten und gleichzeitig deren reibungslose Durchführung sicherzustellen. Eine konkrete Entscheidung über die Teilnahme Russlands an der Männer-WM 2027 in Deutschland gibt es damit weiterhin nicht.
Boykottfront gegen Russland wird immer größer
Wie bereits berichtet, hat das CAS-Urteil im internationalen Eishockey für massive Proteste gesorgt. Mehrere europäische Topnationen haben angekündigt, nicht gegen Russland antreten zu wollen. Neben Weltmeister Finnland stellten sich auch Schweden, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Lettland und Österreich gegen eine Rückkehr der russischen Auswahl.
Die Verbände argumentieren unter anderem mit dem weiterhin andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Finnland versucht zudem, möglichst viele Länder für eine gemeinsame Linie zu gewinnen. Die Botschaft an die IIHF ist klar: Eine Teilnahme Russlands könnte dazu führen, dass zahlreiche Mannschaften Spiele gegen die russische Auswahl verweigern.
Deutschland könnte die WM zurückgeben
Besonders brisant ist die Situation für den Gastgeber der kommenden Weltmeisterschaft. Deutschland soll das Turnier im Mai 2027 in Düsseldorf und Mannheim ausrichten. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hatte bereits klargestellt, dass er eine Rückkehr Russlands kritisch sieht. Angesichts der Boykottdrohungen wurde sogar eine Rückgabe der Weltmeisterschaft als mögliche Konsequenz ins Spiel gebracht.
Auch die Sponsorenfrage verschärft die Lage. Hauptsponsor Škoda kündigte an, sein Engagement bei einer russischen Teilnahme neu zu bewerten. Weitere Unternehmen, darunter Strauss, AJ Products und Nokian Tyres, stellten ebenfalls einen Rückzug oder Einschränkungen ihrer Unterstützung in Aussicht.
Für den DEB wird die Situation damit immer schwieriger: Eine Weltmeisterschaft ohne mehrere der stärksten Eishockeynationen wäre sportlich und wirtschaftlich kaum mit den ursprünglichen Erwartungen vereinbar. Gleichzeitig würde eine Rückgabe des Turniers einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand bedeuten.
Belarus bleibt ausgeschlossen – Verband prüft Klage
Eine klare Entscheidung hat die IIHF hingegen in der Causa Belarus getroffen. Die belarussische Männer-Nationalmannschaft und die U20-Auswahl dürfen an der Weltmeisterschaft 2027 beziehungsweise der U20-WM 2027 nicht teilnehmen. Der IIHF-Disziplinarausschuss habe keine rechtliche Grundlage für eine sofortige Wiederaufnahme gesehen. Bei seiner Entscheidung berücksichtigte der Weltverband auch die bereits weit fortgeschrittenen organisatorischen Vorbereitungen, darunter Spielpläne, Turnierstrukturen und den Ticketverkauf.
Der belarussische Verband, dessen Land Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt, erwägt nun rechtliche Schritte bis hin zu einer erneuten Anrufung des CAS. Dabei kritisiert er auch die unterschiedliche Behandlung Russlands und Belarus‘.
Pic: F. Gärtner









