Im österreichischen Eishockey zeichnet sich eine mögliche grundlegende Veränderung an der Spitze des Verbandes ab. Mehrere Vereine haben sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen und arbeiten an einer neuen Führung des Österreichischen Eishockeyverbandes (ÖEHV) – das berichtet die „Kleine Zeitung“. Als möglicher neuer Präsident steht der frühere Bundeskanzler Christian Kern im Raum.
Ausgangspunkt für die aktuellen Reformbestrebungen waren unter anderem die vergangenen Konflikte rund um das österreichische Frauen-Nationalteam. Die Diskussionen sorgten für öffentliche Kritik am Verband und verstärkten bei mehreren Vereinen den Wunsch nach Veränderungen.
Zum ursprünglichen Konsortium gehören die Vienna Capitals, die Graz99ers, die Black Wings Linz und der VSV. Die beteiligten Vereine kritisieren vor allem fehlende Weiterentwicklung und eine mangelnde Zusammenarbeit innerhalb des österreichischen Eishockeys. Bernd Vollmann, Geschäftsführer der Graz99ers, spricht gegenüber der „Kleinen Zeitung“ von einem notwendigen Neustart und sieht in einer möglichen neuen Verbandsführung einen großen Schritt für den Sport.
Kern als möglicher Präsident
Die Gruppe sucht derzeit nach Personen für ein neues Führungsteam. Dabei soll Christian Kern eine zentrale Rolle übernehmen. Laut Vollmann wird an einem Team rund um den ehemaligen Bundeskanzler gearbeitet. Auch Philipp Trattner, der bis vor Kurzem als hoher Sportbeamter tätig war und zuvor im österreichischen Basketball gearbeitet hatte, soll Teil des möglichen neuen Teams werden.
Geplant sind außerdem Veränderungen bei der Zusammensetzung des Präsidiums. Eine fixe Frauenquote sowie eine Vizepräsidentin sind vorgesehen. Ergänzt werden soll die Führung durch Fachleute aus Sport und Wirtschaft.
Engere Zusammenarbeit mit der Liga
Ein wichtiger Bestandteil der geplanten Reform ist eine engere Verbindung zwischen Verband und Liga. Nach Ansicht der Initiatoren haben beide Seiten in den vergangenen Jahren zu häufig gegeneinander gearbeitet. Künftig könnte deshalb jeweils ein Vertreter der anderen Institution im Vorstand vertreten sein.
Auch wirtschaftlich und organisatorisch sehen die Vereine Handlungsbedarf. Besonders die Nachwuchsarbeit und die Infrastruktur bereiten Sorgen. Immer wieder werden Eishallen geschlossen, während gleichzeitig mehr Unterstützung für den Nachwuchs gefordert wird.
Auch Legionärsregelung soll verändert werden
Ein weiteres Thema ist die Regelung für ausländische Spieler. Die bisherige Einteilung nach dem Geburtsland soll möglicherweise überdacht werden. Als Vorbild wird ein Modell aus dem europäischen Fußball genannt, bei dem unter anderem berücksichtigt wird, wo ein Spieler ausgebildet wurde.
Damit könnte künftig stärker zwischen tatsächlich im österreichischen Eishockey ausgebildeten Spielern und extern ausgebildeten Legionären unterschieden werden.
Außerordentliche Generalversammlung möglich
Für eine tatsächliche Neuwahl müsste zunächst eine außerordentliche Generalversammlung des Verbandes einberufen werden. Laut Vollmann kann eine solche Versammlung von zehn Prozent der Vereine beantragt werden. Das Konsortium arbeitet derzeit daran, die dafür notwendigen Vollmachten zu organisieren.
Bild: EC Red Bull Salzburg




