Die Diskussionen rund um das österreichische Eishockey nehmen weiter an Fahrt auf. Nun haben sich auch die Geschäftsführer der Vienna Capitals, Lukas Garhofer und Patrick Wondra, gegenüber dem „Kurier“ deutlich zu den aktuellen Problemen im ÖEHV und in der ICE Hockey League geäußert. Dabei fordern sie nicht nur rasche Lösungen im Konflikt mit dem Frauen-Nationalteam, sondern auch grundlegende Reformen im Nachwuchsbereich und bei den Strukturen der Liga.
Die Vorgänge rund um das österreichische Frauen-Nationalteam sorgen weiterhin für Unverständnis. Fehlende oder mangelhafte Rahmenbedingungen bei Camps und Turnieren seien aus Sicht der Capitals-Verantwortlichen nicht akzeptabel. Garhofer fordert als Mitglied des ÖEHV eine rasche Lösung: „Sportübliche Verpflegung und Unterkünfte sollten eigentlich kein Thema sein.“
Kritik an Umgang mit Rücklagen und Nachwuchs
Doch die Capitals sehen die Probleme deutlich tiefer. Wondra verweist auf aufgelöste finanzielle Rücklagen und fordert mehr Transparenz über deren Verwendung. Gleichzeitig ortet Garhofer große Defizite im österreichischen Nachwuchssystem.
Aus Sicht der Wiener fehlt es vor allem an langfristigen Strukturen. Während es im Fußball Akademiesysteme und entsprechende Fördermodelle gibt, müsse ein vergleichbares Konzept im österreichischen Eishockey erst geschaffen werden. Wien wäre dabei laut Garhofer grundsätzlich ein möglicher Standort, allerdings brauche es eine gemeinsame Initiative von Verband und öffentlicher Hand.
Auch die Trainerausbildung und die Qualität der Nachwuchsligen stehen in der Kritik. Die Capitals-Geschäftsführer sehen darin ein grundsätzliches strukturelles Problem. Wondra hinterfragt zudem, ob manche Ausgaben im Bereich des A-Nationalteams nicht sinnvoller in Frauen-, Nachwuchs- oder Kinderprogramme investiert werden könnten.
Langfristiger Plan statt schneller Beschränkungen
Ein weiteres großes Thema ist das Verhältnis zwischen Liga und Verband. Der bestehende Kooperationsvertrag läuft aus, und die Capitals sehen die Notwendigkeit, über die zukünftige Struktur des Profieishockeys grundlegend nachzudenken.
Dabei geht es auch um die viel diskutierte Anzahl österreichischer Spieler und Legionäre. Aus Sicht Garhofers wäre eine einfache Reduzierung der Ausländerplätze in der aktuellen internationalen Liga allerdings keine nachhaltige Lösung. Zunächst müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, um mehr österreichische Spieler auf ein entsprechendes Niveau zu bringen. Die Forderung lautet daher: ein langfristiger Plan über fünf bis zehn Jahre, der Nachwuchsausbildung, Kaderregelungen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen miteinander verbindet.
Scharfe Kritik an Mailand-Aufnahme
Auch die Erweiterung der ICE Hockey League um ein Team aus Mailand beschäftigt die Capitals weiterhin. Kritik üben Garhofer und Wondra dabei weniger am Standort selbst als am Zeitpunkt und an der Umsetzung. Die kurzfristige Aufnahme habe zahlreiche organisatorische und wirtschaftliche Probleme verursacht. Zudem sehen die Wiener die aktuelle Kaderzusammensetzung kritisch. Insbesondere die große Anzahl an Doppelstaatsbürgern wirft aus Sicht der Capitals Fragen hinsichtlich der Wettbewerbsgleichheit auf.
Wondra hätte eine andere Vorgehensweise bevorzugt: Zunächst hätte sich das Projekt strukturell etablieren und beispielsweise in der Alps Hockey League entwickeln können, ehe ein Einstieg in die ICE Hockey League erfolgt.
„Salary Cap light“ als mögliche Lösung
Um die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Vereinen zu reduzieren, bringen die Capitals mehrere mögliche Maßnahmen ins Spiel. Dazu zählen Änderungen bei Kaderregelungen, Doppelstaatsbürgerschaften und Einbürgerungen. Auch über eine Art „Salary Cap light“ wird nachgedacht.
Garhofer betont, dass es nicht darum gehe, alle finanziellen Unterschiede zwischen den Klubs vollständig zu beseitigen. Vielmehr müsse ein Rahmen geschaffen werden, der es allen Vereinen ermögliche, wirtschaftlich gesund zu arbeiten und gleichzeitig in Nachwuchs und Infrastruktur zu investieren. Die Capitals würden laut Garhofer auch mehr Transparenz akzeptieren und hätten kein Problem damit, Verträge und Zahlungen von unabhängigen Stellen überprüfen zu lassen.
Sechs österreichische Vereine fordern Veränderungen
Die Capitals sind mit ihrer Kritik offenbar nicht alleine. Laut Garhofer haben sich sechs der acht österreichischen Vereine in zahlreichen Punkten angenähert. Themen wie Wettbewerbsgleichheit, steigende sportliche Kosten, Nachwuchsarbeit, Kaderregelungen und die Organisation der Liga seien bereits seit längerer Zeit diskutiert worden.
Die Vorgänge rund um die Aufnahme Mailands hätten schließlich dazu geführt, dass die Vereine ihre gemeinsamen Positionen in einer Grundsatzerklärung zusammengefasst haben.
Capitals trotz Rekordbudget unter Druck
Besonders deutlich wird die Problematik laut Wondra an der wirtschaftlichen Situation der Capitals selbst. Die Wiener verfügen zwar über das höchste Spielerbudget ihrer Klubgeschichte, sehen sich finanziell aber dennoch nicht auf Augenhöhe mit den Topklubs der Liga.
Die aktuelle Entwicklung führe zu einer Spirale steigender Kosten. Geld, das aus Sicht der Capitals langfristig stärker in Nachwuchs und Organisationsentwicklung fließen sollte, müsse derzeit vor allem investiert werden, um sportlich konkurrenzfähig zu bleiben.
Beim anstehenden Liga-Meeting Ende August wollen Garhofer und Wondra daher konkrete Diskussionen und einen klaren Fahrplan für Veränderungen sehen. Wondra schließt zudem nicht aus, dass sich die Vereine bei ausbleibenden Reformen verstärkt mit alternativen Modellen beschäftigen werden.
Fest steht: Die Kritik der Vienna Capitals richtet sich längst nicht mehr nur gegen einzelne Entscheidungen. Die Wiener fordern einen umfassenden Neustart bei zentralen Fragen des österreichischen Eishockeys – vom Frauen- und Nachwuchsbereich über den Verband bis hin zur Zukunft der ICE Hockey League.
Pic: Vienna Capitals









