Für Theresa Schafzahl steht ein besonders intensiver Eishockey-Winter bevor. Die 26-jährige Steirerin bereitet sich derzeit in ihrer Heimat auf die kommende Saison und das wohl größte Highlight ihrer bisherigen Nationalteamkarriere vor: Österreichs Frauen werden im November erstmals bei einer A-Weltmeisterschaft in der Topdivision antreten. Gleichzeitig sorgt der anhaltende Konflikt zwischen den Spielerinnen und dem österreichischen Eishockeyverband weiterhin für große Unsicherheit.
Nach dem Saisonende Ende April verbringt Schafzahl den Sommer derzeit in der Oststeiermark nahe Weiz. Nach einigen Wochen Pause ist die Profi-Spielerin inzwischen wieder voll im Trainingsbetrieb. Neben Einheiten auf dem Eis und im Kraftraum war sie auch bei Camps in Schweden und der Schweiz als Trainerin tätig. Zudem absolvierte sie immer wieder Trainingseinheiten mit den U20-Spielern der Eishockey Akademie Steiermark.
„Die ersten paar Wochen habe ich wirklich nichts gemacht. Dazu habe ich mich endlich einmal überwunden“, erzählte Schafzahl gegenüber der „Kleine Zeitung“ mit einem Augenzwinkern. Nun richtet sich der Fokus aber wieder voll auf die bevorstehenden Aufgaben.
Von Boston nach Seattle – und sportlich sofort eingeschlagen
Im März wechselte Schafzahl innerhalb der nordamerikanischen PWHL von Boston nach Seattle. Der Transfer kam für die österreichische Nationalteamspielerin überraschend. „Ich habe gar nicht damit gerechnet. Das war ein Schock“, erklärte die 26-Jährige. Rückblickend sei der Wechsel für sie persönlich aber eine sehr positive Entwicklung gewesen.
In elf Spielen für Seattle sammelte Schafzahl neun Scorerpunkte und fand auch abseits des Eises schnell Gefallen an ihrer neuen Heimat. Besonders beeindruckt zeigt sich die Steirerin von der Unterstützung der Fans: Im Schnitt kamen mehr als 12.000 Zuschauer zu den Heimspielen von Seattle – ein Liga-Höchstwert.
„Ich hätte mir nie gedacht, dass ich meinen Eishockey-Traum einmal so ausleben kann“, freut sich Schafzahl über die Entwicklung des professionellen Fraueneishockeys in Nordamerika. Nach dem Sommer wird es für die Steirerin wieder zurück nach Seattle gehen. Zuvor wartet allerdings ein ganz besonderes Kapitel.
Historische A-WM als großes Ziel
Im November feiert Österreichs Frauen-Nationalteam seine Premiere bei einer Weltmeisterschaft in der Topdivision. In Herning trifft die ÖEHV-Auswahl in der Gruppenphase auf die USA, die Schweiz, Tschechien und Deutschland. Für Schafzahl und ihre Teamkolleginnen ist der Klassenerhalt das große Ziel – und aus Sicht der Führungsspielerin durchaus erreichbar.
„Natürlich ist der Klassenerhalt unser Ziel und auch auf jeden Fall möglich“, so Schafzahl. Die Spiele gegen die großen Eishockeynationen sieht sie gleichzeitig als außergewöhnliche Chance: Österreich habe gegen einige dieser Gegnerinnen bisher noch nie gespielt.
Konflikt mit dem Verband überschattet WM-Vorbereitung
Ob Österreich bei der historischen A-WM tatsächlich mit seinen besten Spielerinnen antreten wird, ist derzeit allerdings offen. Mehrere Leistungsträgerinnen des Nationalteams, darunter auch Theresa Schafzahl und Kapitänin Anna Meixner, kritisieren die Rahmenbedingungen und den Umgang mit dem Frauenteam innerhalb des österreichischen Eishockeyverbands.
Zu den Forderungen zählen unter anderem eine finanzielle Abgeltung beziehungsweise ein Taggeld für Trainingscamps und Turniere sowie bessere Rahmenbedingungen. Auch personelle Entscheidungen im Betreuerstab sorgen bei den Spielerinnen für Unmut.
Schafzahl und weitere Leistungsträgerinnen werden in dieser Woche nicht am Nationalteam-Camp teilnehmen. Im äußersten Fall steht laut den Spielerinnen sogar ein Boykott der A-Weltmeisterschaft im Raum, sollte es zu keiner Veränderung der Situation kommen.
Damit steht über dem sportlich wohl größten Ereignis in der Geschichte des österreichischen Fraueneishockeys weiterhin ein großes Fragezeichen. Für Theresa Schafzahl wäre die A-WM in der Topdivision ein Karriere-Highlight – doch ob Österreich im November tatsächlich in voller Stärke antreten wird, hängt auch davon ab, ob sich Spielerinnen und Verband in den kommenden Wochen noch annähern können.
Bild: City-Press GmbH Bildagentur









