Schweiz

Swisslos-Millionen im Eishockey: Woher das Geld im Schweizer Hockey kommt

In Villach fehlten wenige Tage vor dem Saisonstart der Mannschaftsbus und die neuen Dressen, und eine Krisensitzung des Vorstandes endete ohne Ergebnis. Solche Meldungen häufen sich im europäischen Eishockey. Über Kader und Systeme wird derzeit weniger diskutiert als über Liquidität. In der Schweiz klingt der Ton deutlich ruhiger, und das liegt auch an einer Geldquelle, die kaum jemand im Stadion vermutet. Ein erheblicher Teil der Mittel, die den nationalen Sport tragen, stammt aus Lottoscheinen. Wer dem Weg dieses Geldes folgt, landet beim Geldspielgesetz.

Lotteriegeld als stille Säule des Sports

Das Gesetz regelt, was mit dem Reingewinn der beiden Lotteriegesellschaften Swisslos und Loterie Romande geschieht. Er darf ausschließlich gemeinnützigen Zwecken zufließen, ein erheblicher Teil davon geht in den Sport. Allein bei Swisslos waren es im Jahr 2025 rund 562 Millionen Franken.

Verteilt wird dieses Geld auf zwei Wegen. Der eine führt über die kantonalen Sportfonds in Hallen und Vereine. Der andere läuft über die Stiftung Sportförderung Schweiz, die seit 2023 für den nationalen Sport zuständig ist. Empfänger sind Swiss Olympic sowie die Verbände von Fußball und Eishockey. Einzelne Klubs stellen dort keine Gesuche.

Der Unterschied zur Lage in Österreich ist damit klar umrissen. Als der EC VSV vor dem möglichen Konkurs stand, hing alles an Sponsoren und an öffentlicher Hilfe. In der Schweiz ist ein Teil der Finanzierung gesetzlich fixiert. Das Modell trägt allerdings nur so lange, wie die Lotterien Gewinne erwirtschaften, und das hängt daran, wo Schweizer Spieler ihr Geld einsetzen.

Ein Markt hinter geschlossenen Türen

Diese Frage beantwortet das Geldspielgesetz mit einer engen Vorgabe. Online-Casinospiele darf in der Schweiz nur anbieten, wer bereits eine landbasierte Spielbank betreibt. Nötig sind dafür eine Konzessionserweiterung durch den Bundesrat und eine Bewilligung der ESBK für jedes einzelne Spiel. Alles Übrige gilt als nicht bewilligtes Angebot und landet auf der Sperrliste der Eidgenössischen Spielbankenkommission, deren Adressen die Fernmeldedienstanbieter technisch blockieren müssen. Die Liste wächst schnell. Ende August 2026 standen dort 3567 Domains, im Lauf des Jahres kamen mehrere hundert hinzu.

Neben diesem abgeschotteten Markt läuft ein zweiter, den die Schweizer Regulierung nicht erfasst. Betreiber mit Lizenzen aus Malta, Gibraltar oder Curaçao zahlen hier weder Spielbankenabgabe noch einen Franken in die Lotterietöpfe, aus denen der Sport lebt. Wie viel davon beim Publikum ankommt, lässt sich an den einschlägigen Übersichten ablesen. Die Liste der ausländischen Online Casinos von AuslandsCasino.ch zeigt, wie viele Plattformen Schweizer Nutzer trotz der Netzsperren weiterhin erreichen. Für die Sportförderung ist dieser Teil des Marktes nicht vorhanden.

2,4 Millionen für den Eishockeyverband

Wie viel aus dem legalen Markt beim Eishockey ankommt, lässt sich auf den Franken genau beziffern. Für die Periode 2023 bis 2026 erhält der nationale Sport jährlich 60 Millionen Franken als Basisbeitrag. Davon gehen 52,8 Millionen an Swiss Olympic, 4,8 Millionen an den Schweizerischen Fussballverband und 2,4 Millionen Franken an die Swiss Ice Hockey Federation. Dazu kommt ein variabler Beitrag für besondere Förderbereiche, der vom Geschäftsgang der Lotterien abhängt und deshalb von Jahr zu Jahr schwankt.

Interessant ist die Begründung für diese Aufteilung. Fußball und Eishockey stehen auf der Liste, weil sie wesentlich zum Wettsubstrat der Lotterien beitragen. Auf keine anderen Sportarten wird in der Schweiz so viel getippt. Die beiden Verbände bekommen also einen Teil jenes Geldes zurück, das ihre eigenen Spiele überhaupt erst erzeugen. Der Kreislauf ist damit kein Zufall, sondern das Konstruktionsprinzip der Schweizer Sportförderung. Offen bleibt, wie stabil dieser Kreislauf in den kommenden Jahren bleibt.

Die Rechnung der nächsten Förderperiode

Festgelegt wird der Betrag jeweils für vier Jahre, und zuständig dafür ist die Fachdirektorenkonferenz Geldspiele der Kantone. Über die Mittel für die Periode 2027 bis 2030 wird auf Antrag der Stiftung entschieden. Weil die Reingewinne der Lotterien zuletzt höher ausfielen als prognostiziert, zeichnet sich dabei keine Kürzung ab.

Für die Klubs der National League ändert das trotzdem wenig an der Tagesarbeit. Das Verbandsgeld fließt in Nachwuchs und Ausbildung, nicht in Spielerbudgets. Ein Klub, der wie ein europäischer Traditionsverein über 30 Millionen Euro Schulden angehäuft hat, wird dadurch nicht gerettet. Der Unterschied liegt eine Ebene tiefer: Die Basis des Systems ist in der Schweiz abgesichert, während sie anderswo jede Saison neu verhandelt werden muss.

Die Abhängigkeit von den Lotterieerträgen

Wer in der Schweiz einen Lottoschein ausfüllt, finanziert damit ein Stück Nachwuchsarbeit auf dem Eis. Das ist kein Marketingversprechen, sondern im Geldspielgesetz so angelegt. Die Frage, wie viel Spielgeld künftig im regulierten Markt bleibt, ist deshalb auch eine sportpolitische. Sinken die Erträge der Lotterien, spürt das zuerst der Nachwuchs, lange bevor es in der National League jemand an der Kaderplanung merkt. Die Villacher Verhältnisse sind von Zürich oder Davos weiter entfernt, als es der Blick auf die Tabelle vermuten lässt.

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