Österreichs Eishockey-Nationalteam steht vor der nächsten Bewährungsprobe. Beim Deutschland Cup trifft die Mannschaft von Roger Bader auf drei starke Gegner. Im Interview mit der „Kleine Zeitung“ spricht der 62-jährige Teamchef über seine Trainerphilosophie, die Erwartungen an seine Spieler und eine mögliche Rückkehr Russlands auf die internationale Eishockeybühne.
Für Bader beginnt die Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft bereits unmittelbar nach dem Ende des vorherigen Turniers. Nach der vergangenen WM analysierte der Schweizer sämtliche Partien, führte Gespräche mit Spielern und Betreuern und beobachtete zahlreiche Begegnungen im In- und Ausland.
Dabei stellt er klar, dass vergangene Erfolge keine Garantie für zukünftige Leistungen sind. „Jedes Jahr beginnt bei null. Selbst wenn wir bei einer WM erfolgreich waren, können wir im darauffolgenden Jahr nicht davon zehren“, betont der ÖEHV-Teamchef.
Teamgeist wichtiger als individuelle Klasse
Besonders großen Wert legt Bader auf die Grundprinzipien innerhalb seiner Mannschaft. Respekt, Disziplin und Zusammenhalt stehen für ihn an oberster Stelle. Erst danach kommen taktische Überlegungen und das Spielsystem. Bei diesen Werten kennt der 62-Jährige keine Kompromisse. Wer sich nicht in die Mannschaft einfügt oder die gemeinsamen Regeln nicht akzeptiert, hat im Nationalteam keinen Platz – unabhängig von seinen sportlichen Qualitäten.
Auch seinen persönlichen Führungsstil beschreibt Bader als klar und konsequent. Privat sei er humorvoll und genieße das Leben, auf dem Eis hingegen stehen Professionalität und Struktur im Vordergrund. „Von Schreihälsen halte ich nichts. Das heißt aber nicht, dass ich nicht auch einmal lauter werden kann, wenn es die Situation erfordert. Bei mir weiß man, woran man ist“, erklärt der Schweizer.
Deutschland Cup als wichtige Standortbestimmung
Sportlich richtet sich der Blick bereits auf den Deutschland Cup. Dort bekommt es Österreich mit Gastgeber Deutschland, der Slowakei und Lettland zu tun. Bader hat bewusst zahlreiche Spieler einberufen, die bereits bei der vergangenen Weltmeisterschaft im Einsatz waren. Auch Akteure, die sich derzeit noch nicht in Bestform befinden, sollen die Möglichkeit bekommen, sich zu präsentieren.
Der Teamchef möchte frühzeitig erkennen, auf welchem Leistungsstand sich seine Spieler befinden. Die bevorstehenden Begegnungen sieht er als wertvolle Gelegenheit, um wichtige Erkenntnisse für die weitere Entwicklung der Mannschaft zu gewinnen. Alle drei Gegner liegen in der Weltrangliste vor Österreich und waren bei den vergangenen Olympischen Spielen vertreten.
Bader äußert sich kritisch zu möglicher Russland-Rückkehr
Auch zur Diskussion über eine mögliche Rückkehr Russlands in den internationalen Eishockeysport nimmt Bader Stellung. „Ein Land, das noch Krieg führt, wieder sportlich zu integrieren, sehe ich sehr kritisch“, erklärt der 62-Jährige.
Zwar räumt der Teamchef ein, dass Russland aus sportlicher Sicht eine bedeutende Rolle im internationalen Eishockey spielt, eine vollständige Trennung zwischen Sport und Politik hält er in dieser Frage jedoch nicht für möglich. Auch mögliche Boykottmaßnahmen anderer Nationen verfolgt Bader aufmerksam. Einige Teams hätten entsprechende Schritte bereits angedroht. Ob diese tatsächlich umgesetzt werden, bleibt für ihn abzuwarten.
Bild: ÖEHV-Manfred Szieber









